Pressebericht Juni 2007
Volksfest Ingolstadt
Auf dem Ingolstädter Volksfest erlebten am vergangenen Sonntag rund 680 Zuschauer ein großes Boxspektakel. Gegen den Box-Club Wörgl-Tirol traten zum Vergleichskampf für den Box-Club Ingolstadt u.a. die Brüder Viktor und Ilja Winkert, Dennis Maurer und Sebastian Kappler an.
Die Österreichischen Gäste waren mit einer starken, handverlesenen Mannschaft angetreten. Kaum einer der Gastsportler blickte auf einen geringeren Kampfrekord als wenigsten fünfzig Siege.
Hingegen hatten die Schanzer große Mühe eine ebenbürtige Equipe zusammenzustellen. Einige Schanzer Boxer waren noch von den Fights des vergangenen Wochenendes lädiert (DK berichtete), andere durften aus regeltechnischen Gründen nicht antreten. Die Kampfordnung des Bayerischen Boxverbandes sieht vor, dass nur gleich erfahrene und schwere Boxer der gleichen Altersklasse gegeneinander antreten dürfen. Wobei ein geringes Abweichen möglich wäre, aber kategorisch von den Gästen abgelehnt wurde. So blieb beispielsweise das Ingolstädter Boxtalent Parthenis Tokmakidis, der sowohl südbayerischer als auch internationaler süddeutscher Meister der Junioren ist, ohne Gegner.
Von den acht gezeigten Kämpfen blieben dem Publikum vier besonders im Gedächtnis.
Der dritte Kampf des Tages wurde vom Ingolstädter Dennis Maurer und Shamil Zurkov vom BC Wörgl bestritten. Zurkov, an Erfahrung überlegen, zeigte sich konditionell nicht voll auf der Höhe. So konnte Maurer zunächst gut mithalten. Zum Ende der Runde eins nahm das Kampfglück dann Partei für den Österreicher. Nach einem schweren Treffer verlor Maurer sein Gleichgewicht und konnte sich in der Pause nicht von diesem Schock erholen. Der Ringrichter musste den unglücklichen Kampf des Ingolstädters in Runde zwei beenden als dieser erneut von schweren Wirkungstreffern erschüttert wurde.
Im typischen Kampfstil der Weltergewichte überfiel der Tiroler Andre Kurz mit schnellen Schlagkombinationen den Ingolstädter Viktor Winkert im fünften Kampf. Kurz, der schon mehrfach um die deutsche Meisterschaft geboxt hatte, dominierte den Kampf von Anfang an. Winkert, mit 23 im Vergleich zu 87 Kämpfen deutlich unerfahrener, gab jedoch auch nach einem Anzählen des Ringrichters in der dritten Runde den Kampf nicht verloren. In Runde vier blieben dem Schanzer jedoch keine Reserven den Spieß noch einmal umzudrehen. Andre Kurz gewann verdient nach Punkten. Winkert gewann zumindest die Achtung des Ingolstädter Publikums, dass seinem Kämpfer für die gezeigte Leistung ordentlich Respekt zollte.
Im anschließenden Kampf der Schwergewichte schlugen Sebastian Kappler vom Box-Club Ingolstadt und Zoran Milenkovice aus Tirol heftig aufeinander ein, so dass Ringarzt Dr. Schirmbeck nach 20 Sekunden einen Cut unter dem linken Auge des Ingolstädters und eine gebrochene Nase in der östrreichischen Ecke begutachten musste. Der Kampf konnte zur Freude des Publikums jedoch fortgesetzt werden und das Festzelt verwandelte sich zu einem Hexenkessel: Angestachelt durch tosenden Beifall beförderte der Ingolstädter Sebastian Kappler seinen Kontrahenten mit schweren Schlägen von einer Ecke zur anderen. Mit viel Mühe befreite der Ringrichter und Verbandsdelegierter Paul Rossa den unterlegenen Zoran Milenkovice vom wütenden Schanzer und beendete den Kampf zu Gunsten der Gesundheit des Tirolers in Runde drei.
Als würde er den Frust der Ingolstädter Mannschaft über die bisher kassierten Niederlagen herausschreiben – bis zu diesem Zeitpunkt hatte es zehn zu null für die Gastmannschaft gestanden – sprang Kappler auf einen Ringpfosten und ließ sich vom Festzeltpublikum feiern. Einen emotional aufwühlenderen Kampf hatte es in Ingolstadt lange nicht gegeben.
Im finalen Kampf des Tages trat der Ingolstädter Ilja Winkert gegen den Star der Österreicher Mannschaft, Ramush Tahiri, in den Ring. Der Abiturient vom Reuchlin Gymnasium gilt als Gentleman Boxer und großer Techniker. Im starken Kontrast zur vorhergehenden Auseinandersetzung lieferten sich die beiden Boxer ein Gefecht von strategischer Raffinesse. Trotz der enormen Hitze und dem angeheizten Publikum ließen sich die Kämpfer nicht zu unbedachten Ausbrüchen hinreißen. Besonders Winkert hielt bis zur letzten Runde seinen Stil bei und siegte verdient nach Punkten.
Für den Box-Club Ingolstadt endete der Tag zwar mit einer klaren Niederlage (10:4). Die traditionelle Boxveranstaltung auf dem Ingolstädter Volksfest hat jedoch wieder an Sympathie beim Publikum gewinnen können. Wobei das gesteigerte Interesse sich auch auf das verbesserte sportliche Niveau der Boxkämpfe zurück zu führen ist.