Pressebericht Juni 2008
Sporttage von IN-City
Ingolstadt (DK) Weniger ist oft mehr – auf die Sporttage von IN-City traf das voll zu. Die zweitätige Veranstaltung wurde wegen des Sparkurses des Werbevereins nicht zum Mega-Ereignis und lief eher in aller Stille ab, doch etliche Besucher empfanden genau das als angenehm.
Am ehesten herrschte rund um den Sandhaufen am Kreuztor Partystimmung – nicht nur nachts beim Anbaggern, sondern am Samstag auch tagsüber beim Baggern. Dort fanden nämlich die Stadtmeisterschaften im Beachvolleyball statt, begleitet von Sonnenschein, leiser Musik und wenigen, dafür aber umso treueren Zuschauern. "Es ist zwar viel zu eng hier, was das betrifft, war es am Paradeplatz früher besser", meinte Winni Werthner von den MTV-Volleyballern, der das Match veranstaltet hatte. "Dafür ist das Ambiente zwischen Kreuztor und Münster natürlich schöner."
Obwohl Werthner rund 200 E-Mails verschickt hatte, um für die Stadtmeisterschaften zu werben, traten letztlich nur 30 Mannschaften an – fast alle vom MTV. Scheinbar hatte die Angst, sich gegenüber den Favoriten zu blamieren, Oberhand gewonnen. "Ich verstehe nicht, dass der olympische Gedanke nicht mehr zählt", meinte der Organisator.
Noch mehr ärgerte es die Sportler, dass sie am Samstagmorgen gefährliche Überbleibsel nächtlicher Saufgelage wegräumen mussten: Im Sandplatz wurden viele Scherben gefunden, darunter mutwillig zerschlagene Gläser, die absichtlich so platziert waren, dass Gefahr für Verletzungen bestand.
Dennoch war die Stimmung toll beim Finale. Im Mixed siegten Julia und Joseph Friedl gegen die Favoriten Doris Schwarz und Brahim Nouchkoui, immerhin ehemaliger marokkanischer Nationalspieler. Das Geschwisterpaar freute sich natürlich riesig: "Wir passen halt perfekt zusammen – zumindest auf dem Spielfeld", meinte der 18-jährige Joseph augenzwinkernd. Und seine Schwester erzählte, warum Beachvolleyball so toll ist: "Man kann sich auspowern, hat Spaß dabei und wird richtig schön braun."
Für körperliche Betätigung zu werben war ja Sinn der Veranstaltung. An fünf Stationen konnten Kinder verschiedene Sportarten ausprobieren, und von dem Angebot wurde reichlich Gebrauch gemacht. Felix (12) und Paul (11) etwa, zwei Freunde und Handballer, machten mit und sammelten fleißig Stempel, um sich später ein Überraschungsgeschenk abholen zu können. "Mir gefällt Boxen gut, denn da kann man richtig schön draufhauen", meinte Paul.
Am Stand vom Boxclub in der Ludwigstraße war in der Tat rund um die Uhr viel los, und die Kinder standen Schlange, um einmal mit Trainer Georg Bösl in den Ring zu steigen. "Sogar die kleinen Mädel von den ERC-Cheerleaders", sagte Alois Finkenzeller, Vorsitzender des 1954 gegründeten Boxclubs Ingolstadt. "Für Boxen interessieren sich viele, das Problem ist aber die Konstanz. Es dauert ewig lang, bis man beim Boxen Erfolge hat. Anders als beim Kickboxen: Da bist du ja sofort deutscher Meister." Parthenis Tokmakidis ist so einer, der sich durchgeboxt hat: Der 19-Jährige trainiert seit fünf Jahren hart und ist schon mehrfacher bayerischer Meister. "Durchs Boxen bin ich selbstbewusster geworden, auch privat", sagt der Fluggerätemechaniker. "Das Beste ist, dass man von der Straße wegkommt und mit dem Trinken und Rauchen aufhört." Boxen habe allerdings nichts mit Gewalt zu tun. "Aber man wird richtig fit."
Solche Statements freuen die Veranstalter natürlich. Auch Thomas Apitzsch, der zusammen mit 20 FH-Studenten mit für den reibungslosen Ablauf der Veranstaltung sorgte. Leider hatten zwei Vereine – die Footballer und die Kanuten – abgesagt. "Dennoch ist es uns gelungen, attraktive Sportarten an Land zu ziehen", so der Sport- und Eventmanager. "Aus Kostengründen konnten wir ja nicht das ganz große Besteck rausholen, aber bei der Musik haben wir den Ball ganz bewusst flacher gehalten."
Apitzsch sieht auf alle Fälle Potenzial für eine Wiederholung der Veranstaltung: "Ingolstadt entwickelt sich zu einer Sportstadt – nicht nur im Profibereich, sondern auch im Breitensport."
Wunderbar ergänzten sich auch Sport und Shopping – zumal einige Kunden Einkaufen als eine Art Ausdauertraining betrachten. Franz Mayr, Vorsitzender von IN-City, war jedenfalls sehr zufrieden mit dem Verlauf der Sporttage. "Das ist eine nicht alltägliche und authentische Veranstaltung für Jung und Alt. Unser Konzept ist voll aufgegangen, und auch von den Umsätzen in den Geschäften her hat es gestimmt." Nächstes Mal werde man aber mehr Werbung machen. Bis dahin will der vom Fall Peter Haas gebeutelte Werbeverein auch wieder mehr Geld für Events in der Kasse haben.